Fachverband Immobilien: Hitzeschutz braucht Sicherheit und Gesamtstrategie

Wien (OTS) – Die Diskussion über Erleichterungen bei der Montage von
Klimageräten
in Wohnungen greift für den Fachverband der Immobilien- und
Vermögenstreuhänder der WKO zu kurz. Fachverbandsobmann Roman
Oberndorfer warnt insbesondere davor, bei einer wohnrechtlichen
Neuregelung technische und sicherheitsrelevante Folgen für bestehende
Gebäude außer Acht zu lassen.

„Wenn wir künftig den Eindruck vermitteln, jeder könne einfach
ein zusätzliches Klimagerät montieren, ohne die technische
Infrastruktur des Gebäudes mitzudenken, schaffen wir möglicherweise
neue Probleme“, so Oberndorfer. „Gerade in älteren Gebäuden sind die
Elektroinstallationen nicht automatisch darauf ausgelegt, dass immer
mehr leistungsintensive elektrische Geräte gleichzeitig betrieben
werden. Überlastung und im schlimmsten Fall auch Kabel- oder
Elektrobrände stehen im Raum.“

Verantwortung endet nicht an der Wohnungstür

Klimageräte könnten laut Oberndorfer nur ein Teil einer
Gesamtstrategie für Klimaschutz und nachhaltiges Wohnen sein. „Die
Elektrifizierung unseres Gebäudebestandes ist notwendig und wird
weiter voranschreiten. Gerade deshalb braucht es eine professionelle
Gesamtplanung statt eines wohnrechtlichen Freibriefs für
Einzelmaßnahmen“, betont Oberndorfer. „In einem Mehrparteienhaus
endet die Verantwortung nunmehr nicht nur bei der eigenen
Wohnungstür, was an einer Stelle installiert wird, kann Auswirkungen
auf die Sicherheit aller Bewohner haben. Neben fachgerechter
Installation sind auch die Leistungsfähigkeit der bestehenden
Elektroinfrastruktur, der Brandschutz und die Wartung mitzudenken,
eine plakative wohnrechtliche Änderung alleine ist hier nicht
ausreichend.“

Hitzeschutz ist mehr als ein Klimagerät

Oberndorfer warnt, die aktuelle Debatte über den sommerlichen
Hitzeschutz auf die erleichterte Montage einzelner Klimageräte zu
reduzieren. „Wir brauchen dringend und rasch Lösungen für Wohnungen,
die sich während immer längerer Hitzeperioden massiv aufheizen. Aber
ein Klimagerät darf nicht die österreichische Hitzeschutzstrategie
für den Gebäudebestand sein“, hält Oberndorfer fest. „Die beste
Kilowattstunde für die Kühlung ist jene, die gar nicht erst notwendig
wird. Das Sanierungspaket liegt mit einem Maßnahmenmix am Tisch,
thermische Sanierung, außenliegende Beschattung, Begrünung,
effiziente Gebäudetechnik sind jetzt rechtlich zu ermöglichen.“

Gesamtstrategie statt isolierte Einzellösungen

Der Fachverband fordert seit längerem eine umfassende und
langfristig verlässliche Sanierungsstrategie für den österreichischen
Gebäudebestand. Neben Hitzeschutz stehen Dekarbonisierung,
Energieeffizienz, technische Infrastruktur und Leistbarkeit dabei im
Mittelpunkt des Pakets.

Mehr als 20 Verhandlungsrunden – Lösungen liegen längst auf dem
Tisch

Besonders unverständlich ist für den Fachverband, dass die
nunmehrige Diskussion über einzelne wohnrechtliche Erleichterungen
losgelöst von der seit Monaten laufenden Expertenarbeit geführt wird.
In inzwischen mehr als 20 Experten- und Verhandlungsrunden wurden
konkrete und umsetzbare Vorschläge für eine umfassende Sanierungs-
und Dekarbonisierungsstrategie erarbeitet. „Die notwendigen Lösungen
sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Umso weniger nachvollziehbar
ist es, dass nun einzelne Themen aus diesem Gesamtprozess
herausgelöst und separat behandelt werden sollen“, so Oberndorfer.
„Es stellt sich daher die Frage, warum das für den Bereich Wohnen
zuständige Ministerium überhaupt eine Expertenrunde eingerichtet hat,
wenn die dort gemeinsam erarbeiteten Vorschläge anschließend nicht
zur Umsetzung gebracht werden.“

„Wir brauchen jetzt keine weiteren politischen Schleifen, sondern
Entscheidungen und die Umsetzung dessen, was gemeinsam erarbeitet
wurde. Die Verantwortung dafür liegt beim Ministerium. Statt den seit
Monaten laufenden Prozess abzuschließen, wird weiter verzögert und
werden neue Einzelthemen aufgemacht. Jetzt ist es an der Zeit, auf
die Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Sozialpartnerschaft
zu hören und den Weg für eine umfassende Sanierungsstrategie
freizumachen. Die nächste Hitze kommt bestimmt – die
Österreicherinnen und Österreicher brauchen aber das ganze Jahr über
nachhaltigen, sicheren und menschenwürdigen Wohnraum, in dem sie sich
wohlfühlen können“, so Oberndorfer abschließend. (PWK389/PAT)